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Versbuch

Das Mädchen mit dem Muttermal

Joachim Ringelnatz · 18831934

22 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Chanson

Woher sie kam, wohin sie ging,Das hab’ ich nie erfahren.Sie war ein namenloses DingVon etwa achtzehn Jahren.Sie küßte selten ungestüm.Dann duftete es wie ParfümAus ihren keuschen Haaren

Wir spielten nur, wir scherzten nur;Wir haben nie gesündigt.Sie leistete mir jeden SchwurUnd floh dann ungekündigt,Entfloh mit meiner goldnen UhrAm selben Tag, da ich erfuhr,man habe mich entmündigt.

Verschwunden war mein SiegelringBeim Spielen oder Scherzen.Sie war ein zarter Schmetterling.Ich werde nie verschmerzen,Wie vieles Goldene sie stahl,Das Mädchen mit dem MuttermalZwei Handbreit unterm Herzen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 144, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Mädchen mit dem Muttermal“, Fassung 3.026.612 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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