Starensang
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
28 Zeilen · zuerst gedruckt 1909
Was plauderst du, mein lieber Star,Vom Birnbaumast denn immerdar? –Du wiegst den Kopf, dein Schnabel knackt,Und mit den Flügeln schlägst du Takt. –Erzählst du mir vom Sommerland,Vom Dattelbaum, vom Wüstensand? –Sahst du des Niles trübe Flut? –Hast du am Ganges ausgeruht? –Nun kann dein Plaudern ich versteh’n,Du sprichst von dem, was du geseh’n,(Die kleine Schwinge trug dich weit)Von Wanderlust und Wanderleid. –Aus Nordlands Nebeln dumpf und dichtZog’s dich nach Südland’s Zauberlicht –Du sah’st der Palmenhaine Grün,Die Myrte und den Lotos blüh’n. –Vor deinen Augen hat gelachtDer Tropen bunte Farbenpracht,Und dennoch trieb dich wieder herDie Sehnsucht über Land und Meer. –Zum Norden, nach der Stätte traut,Wo du so froh dein Nest gebaut,Zur Heimat zog’s dich wieder hin,Vom schönen Süd, beim Lenzbeginn. –Das plauderst du, mein lieber Star,Vom Birnbaumast mir immerdar –Und wenn dein Schnabel schnarrt und knackt,Schlägst mit den Flügeln du den Takt. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 19-20, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Starensang (Kämpchen)“, Fassung 1.104.034 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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