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Versbuch

Streikbrecherlied

Heinrich Kämpchen · 18471912

30 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909

Wir sind die „Arbeitswilligen“,Die „Guten“ und die „Billigen“. –Wir schuften, wenn die andern ruh’nUnd tun, was sie nicht wollen tun;Sind folgsam und zu jeder ZeitDem Kapital zum Dienst bereit. –

Sobald nur Streik und Ausstand droht,Sind wir die Retter in der Not. –Man lockt und buhlt um uns’re Gunst,Und wir, wir fühlen gleiche Brunst(Nur Dumme nennen es gemein)Und springen in die Bresche ein. –

So sind geschätzt wir und geehrtVom Arbeitgeber und begehrt. –Auch geht die Sache nett und glatt,Man bringt uns fein zur ArbeitsstattUnd schützt in fest geschloss’nem TrottUns vor der Bösen Hohn und Spott. –

Und wenn uns einer schief anguckt,Und wohl gar auf den Boden spuckt,So greift die Polizei den WichtUnd schleppt ihn hurtig zum Gericht,Das macht dem Burschen dann paratSechs Monat für die Freveltat. –

Ja, ja, man schätzt uns ungemein,Und das mit Recht, wir haben Schwein. –Sieht scheel auch zu der Streiker Hauf’,Was kümmert’s uns, wir pfeifen drauf –Und bleiben doch die „Willigen“,Die „Guten“ und die „Billigen“. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 117, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Streikbrecherlied (Kämpchen)“, Fassung 1.104.043 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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