Der Herrenmensch
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
30 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Ich bin der Herr, du bist der Knecht!So gilt’s nach freiem Herrenrecht –Und muckst du noch und willst du trutzen,So werd’ ich dir den Kamm schon stutzen –Du wirst gesperrt nach meinem Recht,Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
Für mich des Ueberflusses Horn,Für dich die Peitsche und der Sporn –Für mich die Polster und die Kissen,Für dich des Lebens Bitternissen –So ist es gut, so ist es recht,Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
Für mich Wein, Weiber und Gesang,Für dich die Arbeit und der Zwang,Die Hörigkeit bis fort zum Grabe,Damit ich alles, alles habe. –So ist es gut, so ist es recht,Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
Ja, ich bin Herr und du bist Knecht! –Was faselst du von Menschenrecht,Die blöde, alberne Tirade?Du, der nur lebt von meiner Gnade,Von meinem angestammten Recht,Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
So war’s und muß es immer sein,Darum, du Sklav’, ergib dich drein –Die ganze Welt zeigt dir die SpurenVon Herren- und von Knechtsnaturen. –Ich bin zum Herren auserseh’n,Du kannst als Knecht nur fortbesteh’n. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 110-111, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Herrenmensch (Kämpchen)“, Fassung 3.434.047 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.