Trinkspruch
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
35 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
So sprach der Wirt vom „Faßverein“:Willkommen, wack’re Mannen!Ich lade euch zur Nachtschicht ein,Gefüllt sind schon die Kannen.Auch liegt da unten Faß bei Faß,Ihr Herr’n, vom allerbesten Naß,Wir brauchen nicht zu dürsten. –
Zudem läßt man die reichste HuldHier angedeih’n dem Zecher,Es wird gestraft nicht und genulltFür Mindermaß im Becher. –Ein jeder trinkt so viel er kann,Und wer den tiefsten Zug gewann,Ist König von der Runde. –
Die Temp’ratur dabei entsprichtGanz uns’rem Wohlgefühle,Wir leiden von der Hitze nichtUnd auch nicht von der Kühle. –Doch straffe Ordnung wird geführt,Und wer da muckst und nicht pariert,Fliegt ohne Gnad’ und Schonung.
Bei Tage währt die ArbeitszeitNicht lang’, wie die der Nächte,Doch gibt’s dafür GelegenheitZum Suchen neuer Schächte. –Und machen wir ’ne Ueberschicht,Wir fordern Zahlung dafür nicht,Der Stoff ist uns Genüge. –
So sprach der Wirt vom „Faßverein“Im Kreise seiner Gäste,Und lud dabei zum Trinken einDie Herr’n auf’s allerbeste.Und sie, sie lachten SympathieIhm zu der „schönen“ ParodieVon uns’rem Bergmannselend.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 114, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Trinkspruch (Kämpchen)“, Fassung 1.104.067 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.