Poetenreise
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
35 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Nun will in Luft und SonnenscheinIch mir die Glieder baden,Will wandern in das Land hineinAuf maiengrünen Pfaden.Zur Bergeshöh’, zum Talesgrund,Wo’s sonnig ist und farbenbunt,Will ich die Schritte lenken. –
Gepäck, Ballast – das gibt es nicht,Will leicht und fröhlich wandern,Was mich beschwert an Zollgewicht,Das überlaß ich andern,Die vollbepackt auf Reisen geh’n –Ich will nur Menschen, Menschen seh’nUnd die Natur belauschen. –
Den grünen Wald, den Wasserfall,Der von den Felsen springet,Die Berge mit dem Widerhall,Wenn froh der Hirte singet –Die Burgen, die in Trümmern steh’n,Dies alles, alles will ich seh’nAuf meinen Wanderungen. –
Und komm ich dann zurück nach HausIn meine Stubenenge,Dann flecht’ ich einen bunten StraußDer Lieder und GesängeVom Schönen, was mein Aug’ geschaut,Was Phantasie mir anvertrautFür andre Menschenkinder. –
Ich hab’s geseh’n, sie sahen’s nichtUnd sollen doch sich freuenMit mir an Glanz und SonnenlichtIm wunderschönen Maien. –So steck’ ich mir das Reiseziel,Und sei es wenig oder viel,Ich werde es vollbringen. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 73, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Poetenreise (Kämpchen)“, Fassung 1.103.917 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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