Rheinfels
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Gewaltigste der Burgen einst am Rhein,Und jetzo eine Riesentrümmerstätte –O, daß ich Worte nur und Bilder hätte,Der Größe würdig, du Koloß von Stein. –
Noch ragt dein Wartturm dräuend in die Luft,Noch reckst du trotzig die Zyklopenmauern –Ich seh’ die Sphinx in deinen Winkeln lauern:Das blüh’nde Leben und des Todes Gruft. –
Und unten tief, wie prächtig, wunderbar!Die Schiffe ziehen aufwärts und zu Tale –Und wie zwei Perlen in der Muschelschale,Sankt Goarshausen und mein Sankt Goar. –
Und süß und traumhaft singt die LureleiVom Lur’leifels die alten Zauberweisen,(Sie tut es immer, wenn Poeten reisen)Und strählt ihr Goldhaar, wie vordem, dabei. –
So, Rheinfels, stand ich auf der Zinne dein,Vergangenheit und Gegenwart erschauend,Beseligt und vor deinen Grüften grauend,Im Sommerduft, im Abendsonnenschein. –
Zuviel der Schönheit, die mich dort berauscht,Auf schroffer Höh’, in immer neuen Bildern –Die schwache Kraft vermag sie nicht zu schildern,Ich hab’ gesehen und ich hab’ gelauscht. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 80–81, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rheinfels (Kämpchen)“, Fassung 1.103.945 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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