Schiller
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Der „die Götter Griechenlands” gesungen,Jenen süßen, schwermutsvollen Sang,Der in uns’rem Herzen nachgeklungenSehnsuchtstraurig, ach, und heimwehbang.Der im „Tell” dem frechen HerrentrutzeWuchtig in den Nacken stieß den Speer,Und dem unterdrückten Volk zum SchutzeEine Gasse brach zur Gegenwehr. –
Hundert Jahre sind darob verronnen,Seit der große Sänger von uns schied,Und die Perlen aus dem WunderbronnenSich nicht reihten mehr zum gold’nen Lied. –Aber stieg sein Genius auch niederZu den Schatten in die Hadesnacht,Unvergänglich leben seine Lieder,Unvergänglich, wie der Sterne Pracht. –
Er, der für die Freiheit stets gestrittenOhne Zagen mit dem Dichterschwert,Weilt auch jetzt noch in des Volkes Mitten,Ist auch jetzt noch Schirmer seinem Herd.Nur dem Volke ist er zugehörig,Nicht der Halbheit und dem falschen Schein,Die es anders meinen handeln törich,Wenn sie prunkend ihm auch Feste weih’n. –
Mag man immer sich zu ihm bekennen,Man gehorcht doch nur dem Heuchelzwang –Aber „unser” dürfen wir ihn nennen,Weil dem Volk er und der Freiheit sang. –Und getreu hielt er zu ihren Fahnen,Ohne Wanken stets, unwandelbar,Darum bringen wir auch seinen ManenDankesschuldig unser Opfer dar. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 132, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schiller (Kämpchen)“, Fassung 3.567.900 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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