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Versbuch

Der Horkenstein

Heinrich Kämpchen · 18471912

40 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1909

Umspielt vom gold’nen Abendschein,So liegst du da, mein Horkenstein,Inmitten der begrünten Flur,Du alter Wächter an der Ruhr.

Noch eh’ man schlug die HermannsschlachtHast du gehalten schon die Wacht,Sah’st du auf diesen heil’gen Höh’nDie alten Odinseichen steh’n.

Da dräute Urwald dicht und wild,Doch hier war heiliges Gefild,Der Hain mit seiner Götterschar,Und du sein Tempel und Altar. –

Und wer in schlimmen Bann verfiel,Du gabst ihm Freistatt und Asyl.Wer dich erfaßte mit der Hand,Er war entsühnt von Mord und Brand.

Doch war der Gau vom Feind bedrohtUnd herrschte um dich Kriegesnot,So scholl’s von ander’n Melodei’n,In Feld und Kluft, um dich, mein Stein.

Dann dröhnte Kampfruf um dich wildUnd laut erklangen Speer und Schild,Es schwoll der Opferfeuer GlutUnd deine Rinnen dampften Blut.

Zu dir zog dann das Volk in Hast,Der Heerschild hing am Eichenast,Der Renner stöhnte unter’m SpornUnd schmetternd klang das Gellahorn.

Doch war an uns’rer Väter HerdDer Friede wieder eingekehrt,So botest du dem flücht’gen MannAsyl und Freistatt wieder an. –

Längst sank dahin, was hehr und schön,Entwaldet sind die heil’gen Höh’n.Durch Odins alten GötterhagWühlt Karst und Pflug rauh Tag um Tag.

Doch, ist gesunken auch der Hain,Du zeugst davon, mein Horkenstein,Und schaust von oben noch zu Tal,Ein unvergänglich Göttermal. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 25, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Horkenstein (Kämpchen)“, Fassung 3.434.274 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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