Der Friedhof von St. Goar
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Du Friedensport, wie keiner wohl gebotenDie müden Waller in den Schlaf zu wiegen,Wo alle Gräber unter Rosen liegen,Du einz’ge Ruh’statt für die stillen Toten. –
Durch deine Pforte bin ich eingegangenIm Julimonde, bei der Sonne Glühen,Ich wollte ausruh’n von den ReisemühenEin wenig nur – du stillest mein Verlangen. –
Und mehr, weit mehr – ich fühle mich entsündigtIn deiner Ruh’ von meinem irren Jagen –Die Drosseln flöten und die Finken schlagen,Als ob sie frohe Botschaft mir verkündigt. –
Der Bergwald rauschet, an den du gelehnet,Vom Rheine hör’ ich Schifferlieder klingen,Vielleicht, vielleicht wird noch die Lurlei singen –Mich faßt ein Beben und mein Auge tränet. –
Schön bist du, Sankt Goar, dein Rheinfels obenDräut wie ein Adler, der nach Beute spähet,Der Schiffe Segel sind vom Wind geblähet,Und doch – dein Kirchhof hat mich mehr erhoben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 79, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Friedhof von St. Goar (Kämpchen)“, Fassung 3.087.297 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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