Am goldenen Sonntag
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Herrlichkeiten sondergleichen,Schmuck und Pelze, Seidenstoffe,Seh’n wir wieder aufgestapeltUeberall im reichsten Maße. –
Leck’res auch zum Essen, Trinken,Wildpret, Weine und Geflügel –Was das Herz erfreut, begehret,Lockt durch blanke Spiegelscheiben. –
Und der Arme, der die StraßenNotgedrungen muß passieren,Wird magnetisch angezogenVon dem Prunk und von der Fülle. –
Dicht, ganz dicht vor seinen AugenLiegt der Ueberfluß gebreitet –Nur ein dünnes Glas ist SchrankeZwischen ihm und all’ den Schätzen. –
Einmal essen, einmal trinkenVon dem Schönen, o wie gerne!Einmal auch sich besser kleiden,Aber Geld – er ist Prolete. –
Kaufen, kaufen! Wie zum HohneTönt der Ruf ihm in die Ohren –Kaufen soll der arme Teufel,Und ganz leer sind seine Taschen. –
Hungern kann er nur und lungernVor den ausgestellten Waren –Und er geht, mit einem FlucheAuf die Satten, auf die Reichen. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 111, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Am goldenen Sonntag (Kämpchen)“, Fassung 1.095.837 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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