Zum Inhalt springen
Versbuch

Zwei Ritter

Heinrich Heine · 17971856

60 Zeilen in 15 Strophen · zuerst gedruckt 1851

Crapülinski und Waschlapski,Polen aus der Polackei,Fochten für die Freiheit, gegenMoskowiter-Tyrannei.

Fochten tapfer und entkamenEndlich glücklich nach Paris –Leben bleiben, wie das SterbenFür das Vaterland, ist süß.

Wie Achilles und Patroklus,David und sein Jonathan,Liebten sich die beiden Polen,Küßten sich: „Kochan! Kochan!“

Keiner je verrieth den Andern,Blieben Freunde, ehrlich, treu,Ob sie gleich zwei edle Polen,Polen aus der Polackei.

Wohnten in derselben Stube,Schliefen in demselben Bette;Eine Laus und eine Seele,Kratzten sie sich um die Wette.

Speisten in derselben Kneipe,Und da Keiner wollte leiden,Daß der Andre für ihn zahle,Zahlte Keiner von den Beiden.

Auch dieselbe HenrietteWäscht für beide edle Polen;Trällernd kommt sie jeden Monat, –Um die Wäsche abzuholen.

Ja, sie haben wirklich Wäsche,Jeder hat der Hemden zwei,Ob sie gleich zwei edle Polen,Polen aus der Polackei.

Sitzen heute am Kamine,Wo die Flammen traulich flackern;Draußen Nacht und SchneegestöberUnd das Rollen von Fiakern.

Eine große Bowle Punsch,(Es versteht sich, unverzückert,Unversäuert, unverwässert)Haben sie bereits geschlückert.

Und von Wehmuth wird beschlichenIhr Gemüthe; ihr GesichtWird befeuchtet schon von Zähren,Und der Crapülinski spricht:

„Hätt’ ich doch hier in ParisMeinen Bärenpelz, den liebenSchlafrock und die Katzfell-Nachtmütz,Die im Vaterland geblieben!“

Ihm erwiederte Waschlapski:„O du bist ein treuer Schlachzitz,Denkest immer an der HeimathBärenpelz und Katzfell-Nachtmütz.

Polen ist noch nicht verloren,Unsre Weiber, sie gebären,Unsre Jungfrau’n thun dasselbe,Werden Helden uns bescheren,

Helden, wie der Held Sobieski,Wie Schelmufski und Uminski,Eskrokewitsch, Schubiakski,Und der große Eselinski.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Romanzero, Hamburg, Hoffmann und Campe, 1851. Seiten 50–53., Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
Digitalisat
de.wikisource.org — „Zwei Ritter“, Fassung 4.062.734 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Heinrich Heine

Alle Gedichte von Heinrich Heine ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Biedermeier und Vormärz

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.