Zum Inhalt springen
Versbuch

Abenddämmerung

Heinrich Heine · 17971856

24 Zeilen · zuerst gedruckt 1827

Am blassen MeeresstrandeSaß ich gedankenbekümmert und einsam.Die Sonne neigte sich tiefer, und warfGlührothe Streifen auf das Wasser,Und die weißen, weiten Wellen,Von der Fluth gedrängt,Schäumten und rauschten näher und näher –Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen –Mir war als hört’ ich verscholl’ne Sagen,Uralte, liebliche Mährchen,Die ich einst, als Knabe,Von Nachbarskindern vernahm,Wenn wir am Sommerabend,Auf den Treppensteinen der Hausthür,Zum stillen Erzählen niederkauerten,Mit kleinen, horchenden HerzenUnd neugierklugen Augen; –Während die großen Mädchen,Neben duftenden Blumentöpfen,Gegenüber am Fenster saßen,Rosengesichter,Lächelnd und mondbeglänzt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Buch der Lieder, Die Nordsee, Erster Cyklus, S. 311–312, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
Digitalisat
de.wikisource.org — „Abenddämmerung“, Fassung 3.779.273 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Heinrich Heine

Alle Gedichte von Heinrich Heine ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Biedermeier und Vormärz

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.