Kleines Volk
Heinrich Heine · 1797–1856
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1851
In einem Pißpott kam er geschwommen,Hochzeitlich geputzt, hinab den Rhein.Und als er nach Rotterdam gekommen,Da sprach er: „Juffräuken, willst du mich freyn?
„Ich führe dich, geliebte Schöne,Nach meinem Schloß, in’s Brautgemach;Die Wände sind eitel Hobelspäne,Aus Häkerling besteht das Dach.
„Da ist es so puppenniedlich und nette,Da lebst du wie eine Königin!Die Schaale der Wallnuß ist unser Bette,Von Spinnweb sind die Laken drin.
„Ameisen-Eier gebraten in ButterEssen wir täglich, auch Würmchengemüs,Und später erb’ ich von meiner Frau MutterDrei Nonnenfürzchen, die schmecken so süß.
„Ich habe Speck, ich habe Schwarten,Ich habe Fingerhüte voll Wein,Auch wächst eine Rübe in meinem Garten,Du wirst wahrhaftig glücklich sein!“
Das war ein Locken und ein Werben!Wohl seufzte die Braut: ach Gott! ach Gott!Sie war wehmüthig, wie zum Sterben –Doch endlich stieg sie hinab in den Pott.
Sind Christenleute oder MäuseDie Helden des Lieds? Ich weiß es nicht mehr.Im Beverland hört’ ich die schnurrige Weise,Es sind nun dreißig Jahre her.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero, Hamburg, Hoffmann und Campe, 1851. Seiten 48–49., Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kleines Volk“, Fassung 3.622.707 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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