Krönung
Heinrich Heine · 1797–1856
31 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Ihr Lieder! Ihr meine guten Lieder!Auf, auf! und wappnet Euch!Laßt die Trompeten klingen,Und hebt mir auf den SchildDies junge Mädchen,Das jetzt mein ganzes HerzBeherrschen soll, als Königin.
Heil dir! du junge Königin!
Von der Sonne drobenReiß’ ich das strahlend rothe Gold,Und webe d’raus ein DiademFür dein geweihtes Haupt,Von der flatternd blauseid’nen Himmelsdecke,Worin die Nachtdiamanten blitzen,Schneid’ ich ein kostbar Stück,Und häng’ es dir, als Krönungsmantel,Um deine königliche Schulter.Ich gebe dir einen HofstaatVon steifgeputzten Sonetten,Stolzen Terzinen und höflichen Stanzen;Als Läufer diene dir mein Witz,Als Hofnarr meine Phantasie,Als Herold die lachende Thräne im Wappen,Diene dir mein Humor.Aber ich selber, Königin,Ich kniee vor dir nieder,Und huld’gend, auf rothem Sammetkissen,Ueberreiche ich DirDas bischen Verstand,Das mir aus Mitleid noch gelassen hatDeine Vorgängerin im Reich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Die Nordsee, Erster Cyklus, S. 309–310, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Krönung“, Fassung 2.316.940 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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