Anno 1839
Heinrich Heine · 1797–1856
30 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1844
VIII.Anno 1839.O, Deutschland, meine ferne Liebe,Gedenk’ ich deiner, wein’ ich fast!Das muntre Frankreich scheint mir trübe,Das leichte Volk wird mir zur Last.
Nur der Verstand, so kalt und trocken,Herrscht in dem witzigen Paris –O, Narrheitsglöcklein, Glaubensglocken,Wie klingelt ihr daheim so süß!
Höfliche Männer! Doch verdrossenGeb’ ich den art’gen Gruß zurück. –Die Grobheit, die ich einst genossenIm Vaterland, das war mein Glück!
Lächelnde Weiber! Plappern immer,Wie Mühlenräder stets bewegt!Da lob’ ich Deutschlands Frauenzimmer,Das schweigend sich zu Bette legt.
Und alles dreht sich hier im Kreise,Mit Ungestüm, wie’n toller Traum!Bey uns bleibt alles hübsch im Gleise,Wie angenagelt, rührt sich kaum.
Mir ist als hört’ ich fern erklingenNachtwächterhörner, sanft und traut;Nachtwächterlieder hör’ ich singen,Dazwischen Nachtigallenlaut.
Dem Dichter war so wohl daheime,In Schildas theurem Eichenhain!Dort wob ich meine zarten ReimeAus Veilchenduft und Mondenschein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte. Seiten 178-179, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Anno 1839“, Fassung 5.013.989 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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