Auferstehung
Heinrich Heine · 1797–1856
26 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1851
III.Auferstehung.
Posaunenruf erfüllt die Luft,Und furchtbar schallt es wieder;Die Todten steigen aus der Gruft,Und schütteln und rütteln die Glieder.
Was Beine hat, das trollt sich fort,Es wallen die weißen GestaltenNach Josaphat, dem Sammelort,Dort wird Gericht gehalten.
Als Freigraf sitzet Christus dortIn seiner Apostel Kreise.Sie sind die Schöppen, ihr Spruch und WortIst minniglich und weise.
Sie urtheln nicht vermummten Gesichts;Die Maske läßt jeder fallenAm hellen Tage des jüngsten Gerichts,Wenn die Posaunen schallen.
Das ist zu Josaphat im Thal,Da stehn die geladenen Schaaren,Und weil zu groß der Beklagten Zahl,Wird hier summarisch verfahren.
Das Böcklein zur Linken, zur Rechten das Schaf,Geschieden sind sie schnelle;Der Himmel dem Schäfchen fromm und brav,Dem geilen Bock die Hölle!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Seiten 170-171, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Auferstehung (Heine)“, Fassung 1.056.996 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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