Der Winter
Georg Heym · 1887–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1911
Der blaue Schnee liegt auf dem ebenen Land,Das Winter dehnt. Und die Wegweiser zeigenEinander mit der ausgestreckten HandDer Horizonte violettes Schweigen.
Hier treffen sich auf ihrem Weg ins LeereVier Straßen an. Die niedren Bäume stehenWie Bettler kahl. Das Rot der VogelbeereGlänzt wie ihr Auge trübe. Die Chausseen
Verweilen kurz und sprechen aus den Ästen.Dann ziehn sie weiter in die EinsamkeitGen Nord und Süden und nach Ost und Westen,Wo bleicht der niedere Tag der Winterzeit.
Ein hoher Korb mit rissigem GeflechtBlieb von der Ernte noch im Ackerfeld.Weißbärtig, ein Soldat, der nach GefechtUnd heißem Tag der Toten Wache hält.
Der Schnee wird bleicher, und der Tag vergeht.Der Sonne Atem dampft am Firmament,Davon das Eis, das in den Lachen stehtHinab die Straße rot wie Feuer brennt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der ewige Tag. S. 46, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Winter (Heym)“, Fassung 3.467.008 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.
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