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Versbuch

Der Hunger

Georg Heym · 18871912

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1911

Er fuhr in einen Hund, dem groß er sperrtDas rote Maul. Die blaue Zunge wirftSich lang heraus. Er wälzt im Staub. Er schlürftVerwelktes Gras, das er dem Sand entzerrt.

Sein leerer Schlund ist wie ein großes Tor,Drin Feuer sickert, langsam, tropfenweis,Das ihm den Bauch verbrennt. Dann wäscht mit EisIhm eine Hand das heiße Speiserohr.

Er wankt durch Dampf. Die Sonne ist ein Fleck,Ein rotes Ofentor. Ein grüner Halbmond führtVor seinen Augen Tänze. Er ist weg.

Ein schwarzes Loch gähnt, draus die Kälte stiert.Er fällt hinab, und fühlt noch, wie der SchreckMit Eisenfäusten seine Gurgel schnürt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der ewige Tag. S. 10, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Hunger“, Fassung 3.434.294 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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