Der Gott der Stadt
Georg Heym · 1887–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1911
Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.Er schaut voll Wut, wo fern in EinsamkeitDie letzten Häuser in das Land verirrn.
Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,Die großen Städte knieen um ihn her.Der Kirchenglocken ungeheure ZahlWogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.
Wie Korybanten-Tanz dröhnt die MusikDer Millionen durch die Straßen laut.Der Schlote Rauch, die Wolken der FabrikZiehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.
Das Wetter schwält in seinen Augenbrauen.Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.Die Stürme flattern, die wie Geier schauenVon seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.
Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagtDurch eine Straße. Und der Glutqualm braustUnd frißt sie auf, bis spät der Morgen tagt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der ewige Tag. S. 13, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Gott der Stadt“, Fassung 3.433.763 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.
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