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Versbuch

Lebenslied

Hugo von Hofmannsthal · 18741929

32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1922

Den Erben laß verschwendenAn Adler, Lamm und PfauDas Salböl aus den HändenDer toten alten Frau!Die Toten, die entgleiten,Die Wipfel in dem Weiten –Ihm sind sie wie das SchreitenDer Tänzerinnen wert!

Er geht wie den kein WaltenVom Rücken her bedroht.Er lächelt, wenn die FaltenDes Lebens flüstern: Tod!Ihm bietet jede StelleGeheimnisvoll die Schwelle;Es gibt sich jeder WelleDer Heimatlose hin.

Der Schwarm von wilden BienenNimmt seine Seele mit;Das Singen von DelphinenBeflügelt seinen Schritt:Ihn tragen alle ErdenMit mächtigen Gebärden.Der Flüsse DunkelwerdenBegrenzt den Hirtentag!

Das Salböl aus den HändenDer toten alten FrauLaß lächelnd ihn verschwendenAn Adler, Lamm und Pfau:Er lächelt der Gefährten. –Die schwebend unbeschwertenAbgründe und die GärtenDes Lebens tragen ihn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 15–16, Insel Verlag, Leipzig, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Lebenslied“, Fassung 4.223.522 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Hugo von Hofmannsthal starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118552759 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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