Die Arbeiter an ihre Brüder
Georg Herwegh · 1817–1875
48 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1886
Wir schüren in den EssenDie Feuer Tag und Nacht,Am Webstuhl, an den PressenSteht unsre Friedenswacht.
Wir schürfen in dem QualmeDer Gruben nach Metall,Den Segen gold’ner HalmeDankt uns der Erdenball.
Doch wenn das Korn gedroschen,Dann heißt es: Stroh als Lohn,Dann heißt’s: für uns den Groschen,Den Thaler dem Patron.
Dann heißts: für uns den Schragen,Das weiche Bett dem Gauch!Dann heißt’s: Nichts in den Magen,Und Kugeln in den Bauch!
Vergebens aus der TiefeSteigt der Beraubten Chor,Mit seinem VollmachtsbriefeAns Glück, zum Licht empor.
Was hilft es, daß wir trotzen,So lang noch, mordbereit,Ihr gegen uns den ProtzenDie starken Arme leiht?
O weh, daß ihr, im BundeMit ihnen, uns verließt,Und daß ihr uns wie HundeAuf ihr Geheiß erschießt!
Ach, wenn sie euch nicht hätten,Wär’ Alles wohlbestellt;Auf euren BajonettenRuht die verkehrte Welt.
An euren BajonettenKlebt aller Zeiten Fluch;Wir trügen keine Ketten,Trügt ihr kein buntes Tuch;
Wir brauchten nicht zu frohnenFür Sultan und Vezier,Nicht länger für die DrohnenZu darben brauchten wir.
Wir hätten nicht zu bebenVor Pascha oder ScheikUnd könnten bald erlebenDen großen Fürstenstreik.
Durch euch sind wir verrathen,Durch euch verkauft allein:Wann stellt ihr, o Soldaten,Die Arbeit endlich ein?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Vorwärts, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Arbeiter an ihre Brüder“, Fassung 3.779.424 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Herwegh starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550128 der Deutschen Nationalbibliothek.
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