Epilog zum Kriege
Georg Herwegh · 1817–1875
36 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1886
Februar 1871
Germania, der Sieg ist dein!Die Fahnen wehn, die Glocken klingen,Elsaß ist dein und Lotharingen;Du sprichst: „Jetzt muß der Bau gelingen,Bald holen wir den letzten Stein.“
Gestützt auf deines Schwertes Knauf,Lobst du in frommen TelegrammenDen Herrn, von dem die Herren stammen,Und aus Zerstörung, Tod und FlammenSteigt heiß dein Dank zum Himmel auf.
Nach vier und zwanzig Schlachten liegtDer Feind am Boden, überwunden;Bis in die Stadt voll Blut und Wunden,Die keinen Retterarm gefunden,Brichst du dir Bahn – du hast gesiegt!
Schwarz, weiß und roth! um ein PanierVereinigt stehen Süd und Norden;Du bist im ruhmgekrönten MordenDas erste Land der Welt geworden:Germania, mir graut vor dir!
Mir graut vor dir, ich glaube fast,Daß du, in argen Wahn versunken,Mit falscher Größe suchst zu prunkenUnd daß du, gottesgnadentrunken,Das Menschenrecht vergessen hast.
Schon lenkt ein Kaiser dich am Zaum,Ein strammer, strenger Szepterhalter.Hofbarden singen ihre PsalterDem auferstandnen Mittelalter,Und neun und achtzig*) wird ein Traum.
Ein Traum? Du sahst wie Frankreich fielDurch einen Cäsar, sahst die SühneVollzogen auf der Schreckensbühne –Deutschland, gedeihe, wachse, grüneGeläutert durch dies Trauerspiel!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Vorwärts, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Epilog zum Kriege“, Fassung 3.779.243 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Herwegh starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550128 der Deutschen Nationalbibliothek.
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