Wiegenlied
Friederike Brun · 1765–1835
37 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1795
zu singen für J. E. Eggers.
(Mit einer Komposition von Hrn. Kapellmeister Schulze).
Schlaf, Kindlein, schlafe sanft und süßIn diesem Maien-Paradies!Sieh’ über dir der Wipfel Schnee,Rund um dich her des Angers Klee!Im MaienGedeihenDie Kindelein weiß und roth.
O schlummre still im Mutterschooß!Sey mild, wie Thau am Frühlingssproß;Horch’ über dir der Vöglein Schaar;Sieh’ neben dir das Bächlein klar.Im MaienGedeihenDie Kindelein weiß und roth.
Noch schläfst du, kleiner Schäcker, nicht?Dir schwirren Käfer ums Gesicht,Und in des Abends PurpurglanzSiehst du der Mücken Rundetanz.O Kindchen,Dein MündchenEs lacht, wie’s Röselein roth.
O schlaf’ an meinem Herzen ein,Dann werden Engel um dich seyn;Sie tragen dir in sanfter Ruh’,Wie Bienen, Himmelsträume zu.Die SchwingenErklingenUnd kühlen die Wängelein dir.
Nun schlummerst du so sanft, so süß,Und um dich her ist Paradies;Ich trage leise dich hineinIns still beschirmte Kämmerlein.Im MaienGedeihenDie Kindelein weiß und roth.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 102–104, Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Wiegenlied (Friederike Brun)“, Fassung 3.466.805 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.