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Versbuch

An Schulz und Voß

Friederike Brun · 17651835

34 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1795

Zum Dank für Ihr Lied:

Trost am Grabe.

Einsam, bang, mit thränenleerem Blicke,Tief versenkt in finstre Grübelei,Fodert’ ich den Bruder kühn zurückeIn des trübsten Jammers Phantasei:

Sah’ den Strom, der wirbelnd mit ihm eilet,Tief hinab ihn zieht im schnellen Lauf;Riß die Wunde, die durch Dulden heilet,Grausam, eigenmächtig wieder auf:

Horchte jedem Lüftchen, jedem Säuseln –Schaute starr nach jedem Schatten hin;Foderte von jedem leichten KräuselnDeiner Wog’, o Meer! den Theuern, ihn!

Harmonie! du Freundinn meiner Thränen,Flohst seit jenem Abend meine Brust,Und versagtest meinem bängsten SehnenDeiner Klagetöne süsse Lust!

Träumend wankt’ ich zu den goldnen Saiten,Die so oft mir sanften Trost gewährt:Trost am Grabe tönte mir vom weiten;Leiser Laut, den ich so lang entbehrt!

Freier Athem, Stimme füllte wiederDie zum Seufzen nur gehobne Brust;Thränen flossen mildiglich hernieder,Mit der Wehmut bittersüssen Lust.

Seht! es dankt, es dankt Euch diese Thräne,Voß, du Edler! Schulz, du Theurer, dir!Daß zu finster sich mein Geist nicht sehne,Oeffnet Ihr ein Lichtgefilde mir!

Söhne des Gesangs! o wandelt weiter,Hand in Hand, die dankumtönte Bahn;Jede Thräne, auf der Wesen LeiterHebt sie höher Euch zum Lohn hinan!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 70–72, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „An Schulz und Voß“, Fassung 1.101.498 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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