Zum Inhalt springen
Versbuch

Die Sieben Hügel

Friederike Brun · 17651835

62 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1795

(1793.)

(Mit einer Komposition von Hrn. Kapellmeister Schulze).

Auf grüner grüner HeideStehn sieben Hügelein.Es flüstern Wind’ im schaurigem Thal,Es tanzen Elfen auf mondlichem Stral.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Im tiefen WiesengrundeGlänzt fern ein Weiher hell.Es klagen Unken aus tiefem Moor,Es steigen Gebilde so dunstig empor.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Hier war vor grauen JahrenEin König, reich und groß.Er war gezogen in Krieg und Schlacht,Hatt’ nicht der sieben Töchterlein dacht.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Die sieben Jungfraun walltenIm hohen Buchenhain.Es rauschte das Meer mit nichtigem Schaum,Es sauste der Sturm im luftigen Baum.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Es schwellen weisse SeegelVom Kullafelsen her.Ach! Starno kömmt, der wilde Held!O König! Wie hast du dein Haus bestellt?Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Ans weisse SandgestadeSteigt schnell das Kriegesheer.Die Jungfrau’n fliehen Berg ab und an,Verfolgt von Reuter, von Roß und Mann.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

„Wir sah’n euch schnell und sicher,„Ihr weissen Vögelein,„Zu Spott und Hohn; wir fangen euch aus;„Der Vater kann finden das leere Haus!„Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Wie Blätter vor dem Sturme,Entflohn die Mägdelein;Doch dicht am wehenden Schleierlein,Verfolgten die Reiter sie hinter drein.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Da glänzt im AbendstraleDer kühle Weiher hell;Drein hüpften die Mägdlein leicht und schön,Und wurden nimmermehr gesehn.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Auf grüner grüner HeideStehn sieben Hügelein.Dort ruh’n die Jungfrau’n im kühlen Moos,Dort klagen die Vöglein im Maigesproß.Singt, Mädlein, auf grüner Heide,Singt: Leide! Leide! Leide!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 37–40, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Sieben Hügel“, Fassung 3.574.840 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Friederike Brun

Alle Gedichte von Friederike Brun ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Aufklärung

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.