Bey Henriettens Grabe
Friederike Brun · 1765–1835
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1795
(1788).
Schlummre sanft im Schooß der Erde,Holdes Mädchen! warm geliebt;Deine schöne Seele werdeNicht durch unsern Gram betrübt!
Losgewunden von dem StaubeFleug’ mit schnellem Flug hinauf –Und des Himmels schönste LaubeNehm’, Entschleierte! dich auf.
Nur dein lieblich Bild begleiteJedes Mädchen, sanft und gut;Unschuld war dein hehr Geleite,Und der Tugend ernster Muth.
Ausgelöscht und eingesunkenIst dies Aug’ und dieser Blick!Neugeboren, wonnetrunken,Schaust du nun nicht mehr zurück!
Nein! empor, empor zu schweben,Tief ins Heiligthum hinein,Strebt dein Geist; dein neues LebenStralt von Kraft und ew’gem Seyn.
Ruhe denn im Schooß der Erde,Zarte Hülle! leicht zerstört;Und der Freundschaft Sehnsucht werdeIn der Hoffnung Stral verklärt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 73–74, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Bey Henriettens Grabe“, Fassung 3.694.453 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
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