Im Morgenrot
Alfred Henschke · 1890–1928
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1916
Faß fest dein Roß am Zügel,Der Morgen ist erwacht!Stumm hinter jenem HügelEntgleitet schon die Nacht.Sie läßt noch einmal dunkelDie blauen Schleier wehn –Bald wird des Tags GefunkelIn Blut und Rosen stehn.
Wem pflücke ich die Blüten,Die mir der Tag verspricht?O mag uns Gott behütenVor allzuvielem Licht!Dies Herz, dem Feind geboten,Dies Herz kennt keinen Tod –Da es in ewig rotenUnendlichkeiten loht.
Mein Mädchen, denkst du deinesFreundes in der Schlacht?Dein wildes Herz, o wein esVerzweifelt in die Nacht.Die Tränen werden regnenUnd trommeln auf mein Zelt.Ich will den Frieden segnen,Der bei dir Wache hält ...
Noch glühen allenthalbenDie Rosen rot und tief!Noch flattern hoch die Schwalben,Da kein Gewitter rief.Wir jubeln und wir hoffenUnd haben festen Stand –Weit steht der Himmel offen:Freiheit und Vaterland!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Dragoner und Husaren. Die Soldatenlieder von Klabund. S. 20-21, 5. Tausend, Georg Müller, München, 1916
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Im Morgenrot“, Fassung 644.041 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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