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Versbuch

Und das Letzte

Rainer Maria Rilke · 18751926

13 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1955

(6)

Still heut die Stube. – Weiß wie Kalkist Frauchens Antlitz. Müd und lustlosihr feuchtes Auge; halb bewußtloslehnt sie bei Vaters Katafalk.

Zuseiten ihr der Gatte kannsie trösten mehr in keiner Weise;nun faßt er ihre Hände leiseund sieht sie ernst und bittend an.

»Mein Mütterchen, nimm diesen Strauß!«tönt türher hell das Wort des Kleinen;da glimmt ein Lächeln durch ihr Weinen,und Trost geht durch das alte Haus.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 16-17., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
Digitalisat
de.wikisource.org — „Und das Letzte“, Fassung 3.779.747 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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