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Versbuch

Unterwegs und wieder daheim

Theodor Fontane · 18191898

64 Zeilen in 19 Strophen · zuerst gedruckt 1905

1.

Erst Münchner Bräu aus vollen Krügen,Die Deckel klappten wie ein Reim,Dann Neckarwein in vollen ZügenUnd endlich Roth von Ingelheim.

Und all die Zeit kein regentrüberVerlorner Tag, kein nasser Schuh,Die Bilder zogen uns vorüber,Wir thaten nichts als schauten zu.

Und graue Dome, bunte FreskenUnd Marmor reichten sich die HandUnd weinblattdunkle ArabeskenZog drum das Rhein- und Schwabenland.

2.

Mit achtzehn Jahr und rothen WangenDa sei’s, da wandre nach Paris,Wenn noch kein tieferes VerlangenSich Dir ins Herze niederließ;

Wenn unser Bestes: Lieb und Treue,Du nicht begehrst und nichts vermiß’st,Und all das wechselvolle NeueNoch Deine höchste Gottheit ist.

Mir sind dahin die leichten Zeiten,Es läßt mich nüchtern, läßt mich kalt,Ich bin für diese HerrlichkeitenVielleicht zu deutsch, gewiß – zu alt.

3.

Und wieder hier draußen ein neues Jahr, –Was werden die Tage bringen?!Wird’s werden wie es immer war,Halb scheitern, halb gelingen?

Wird’s fördern das worauf ich gebaut,Oder vollends es verderben?Gleichviel was es im Kessel braut,Nur wünsch’ ich nicht zu sterben.

Ich möchte noch wieder im VaterlandDie Gläser klingen lassen,Und wieder noch des Freundes HandIm Einverständniß fassen.

Ich möchte noch wirken und schaffen und thunUnd athmen eine Weile,Denn um im Grabe auszuruhnHat’s nimmer Noth noch Eile.

Ich möchte leben, bis all dies GlühnRückläßt einen leuchtenden FunkenUnd nicht vergeht wie die Flamm’ im Kamin,Die eben zu Asche gesunken.

4.

Ich bin hinauf, hinab gezogen,Und suchte Glück und sucht’ es weit,Es hat mein Suchen mich betrogenUnd was ich fand war Einsamkeit.

Ich hörte, wie das Leben lärmte,Ich sah sein tausendfarbig Licht,Es war kein Licht das mich erwärmte,Und ächtes Leben war es nicht.

Und endlich bin ich heimgegangenZu alter Stell’ und alter Lieb’Und von mir ab fiel das Verlangen,Das einst mich in die Ferne trieb.

Die Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung,Was sich, umwerbend, ihr gesellt;Das Haus, die Heimath, die Beschränkung,Die sind das Glück und sind die Welt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 22–25, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Unterwegs und wieder daheim“, Fassung 1.526.011 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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