Volkslied
Theodor Fontane · 1819–1898
17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(In den Londoner Straßen gesungen im Winter 1855.)
All die ihr schlaft auf Dunen, behaglich, wohlgemuth,Denkt unsrer armen Brüder, die kalt sind bis aufs Blut,Die in den Gräben liegen, krank, hungrig, starr und stumm,Die Blüthe unsres Landes, im Schlammbett kommt sie um.
Vom Balaklawa-Hafen bis an die Stadt heran,Vor Karren und Geschützen sie selber als Gespann,So haben sie’s gehalten, dann kam die stille Nacht,So viele gingen schlafen, so wenig sind erwacht.
Ich hört’ ein Mädchen klagen, sie rief: „was fang ich an,Mein Vater liegt und schlummert im Thal von Inkermann,Mein Bruder liegt verwundet, genesen wird er nie,Es kann kein Christ genesen in jenem Skutari.“
Gott, schütze unsre Brüder mit Deiner mächtgen HandLeih ihnen Sieg und führe sie heim in’s Vaterland,Beschütz’ auch was sie lieben, Weib, Vater, Mutter, Kind,Und sei ein Tröster aller, die schweren Herzens sind.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 201, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Volkslied (Fontane)“, Fassung 1.539.888 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.