Zum Inhalt springen
Versbuch

Unser Friede

Theodor Fontane · 18191898

32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1851

Ein Sommertag, wo man zu tieferSiesta sich verpflichtet hält,Wo Mücken nur und UngezieferSo recht lebendig in der Welt,Wo giftger Pesthauch auf zum HimmelAus stehenden Gewässern steigt,In deren Schlamm sich das GewimmelVielbeinigen Gewürmes zeigt:

Das ist der Friede, der uns schlimmerAls je ein Krieg zu werden droht,Als je ein Krieg, der uns noch immerEin offen Feld für Thaten bot;Genüssler hegt jetzt unsre Jugend,Und Stockgelehrte allenfalls,Doch jeder Kraft und MännertugendBrach dieser Friede schon den Hals. –

Doch wird die Sonn’ erst unerträglich,Und dörrt den Wald, und sengt die Flur,Da hilft sich, auf gut-sommertäglich,Mit einem Schlage die Natur:Die Donnerwolke blitzt und wettert,Und nimmt der Luft den giftgen Hauch,Und wird auch mancher Baum zerschmettert,In faule Sümpfe schlägt es auch.

Welch Friede dann, wenn segenstrahlendDie Sonn’ im Westen untergeht,Und dunkle Purpurrosen malend,Der Himmel wie in Flammen steht!Wir baden uns im Hauch der Frische,Wie neugeboren ist das All,Und in des Baumes BlätternischeSchlägt lieblicher die Nachtigall.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 88–90, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
Digitalisat
de.wikisource.org — „Unser Friede“, Fassung 3.027.686 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Theodor Fontane

Alle Gedichte von Theodor Fontane ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Realismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.