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Versbuch

Keith

Theodor Fontane · 18191898

64 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Da, wo der Strom der Schotten,Der Tay vom Felsen springt,Wo’s noch in Schlucht und GrottenVon Bruce und Wallace klingt,Am Tay, wo blut’ge SiegeJedweden Fleck geweiht,Dort stand auch Deine Wiege,Feldmarschall Jacob Keith'.

Es sang die HochlandsammeMit Schlachten Dich in Ruh’,Aus ihrem Clan und StammePries sie die Helden dazu;Drum, ehe der Bart am KinneDir sproßte noch hervor,Standst Du, voll Mannessinne,Schon mit bei Sherifmoor.

Du standest bei den Schwachen,Die Stuarts mußten fliehn,Es trug auch Dich ein NachenGen Frankreichs Küste hin;Ein Kunst- und WanderlebenHob an, von Land zu Land:Gastrollen thätst Du geben,Den Degen in der Hand.

Du spieltest alle Rollen,Den Höfling selbst, mit Glück,Doch schöpfen aus dem VollenLieß Dich das Ritterstück;Das war Dein Fach, das Kühne,Der Muth bis in den Tod,Und mancher schlechten BühneHalfst Du aus arger Noth. –

Es gab nur eine TruppeDamals von gutem Ruf,Das war die glänzende Gruppe,Die Friedrich um sich schuf;Es suchte sein TheaterTalente weit und breit,Und siehe, gewinnen that erAuch Dich auf Lebenszeit.

Nur immer Muster-DramenGab’s da, mal hier, mal dort:Vor lauter Handlung kamenDie Spieler kaum zu Wort;Abwechselnd zu Fuß und zu RosseGab’s Lust- und Trauerspiel,Bei Roßbach, jene PosseVor allen wohlgefiel.

Da kam, voll Tod und Wetter,Von Hochkirch jene Nacht,Du mußtest auf die Bretter,O Keith, eh’ Du’s gedacht:Das gab kein sichres Spielen,Nur Wirrwarr und GeschreiUnd wenn Stichworte fielen,War’s vollends erst vorbei.

Der Vorhang sollte fallen,Du aber, rings bedroht,Riefst: „Bestes Stück von allenBleibt ehrenvoller Tod!“Und so im Kugelregen,Tratst Du vom Schauplatz ab; –Laß auf Dein Grab mich legenDies Lied zum Feldherrnstab.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 269–271, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Keith (Fontane)“, Fassung 1.761.528 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.