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Versbuch

Väterliche Warnung

Rudolf Lavant · 18441915

33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1893

(1889.)

Mein Sohn, mein Sohn, geh’ nicht nach Paris,Mein Sohn, ich rathe dir gut;Vor der Stadt, die so lange als gastlich man pries,Mein Sohn, sei fein auf der Hut!Es lauern Gefahren am Seinestrand,Man wittert sogleich den Spion,Denn Frankreich, das ist ja ein wildes Land –Das meide und scheue, mein Sohn!

Mein Sohn, mein Sohn, geh’ nicht in die Schweiz,Mein Sohn, ich rathe dir gut;Auf Bergen, in Thälern, an Seen voll Reiz,Da wohnt eine tückische Brut.Gelockert ein jedes geheiligte Band,Die Scham und die Sitte geflohn!Auch die Schweiz ist ein wildes, gefährliches Land!Das meide und scheue, mein Sohn!

Mein Sohn, mein Sohn, bleib’ lieber daheim,Mein Sohn, ich rathe dir gut;Sie senken verderblicher Neigungen KeimDir dort in dein christliches Blut.Und mußt du verreisen um jedweden Preis,Bist fest du im Innersten schon,Dann, wenn auch nicht gerne, nun ja doch, dann sei’s –Doch reise nach Rußland, mein Sohn!

Mein Sohn, mein Sohn, ich rathe dir sehr,Es blüht die Kultur jetzt nur dort!Durchstöbre die „Norddeutsche“ kreuz und quer –Von Rußland kein tadelndes Wort!Dort nur trifft verletzend und schnöde dein OhrKein republikanischer Ton –Du kommst wie daheim bald in Moskau dir vor,Drum reise in Frieden, mein Sohn!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
In Reih und Glied, 1. Auflage, Verlag von J. H. W. Dietz, Stuttgart, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Väterliche Warnung“, Fassung 3.779.328 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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