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Versbuch

Seufzer eines Wählers.

Rudolf Lavant · 18441915

33 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1879

O du verwünschte Landtagswahl,Du machst uns unnütz Last und Qual.Das Wählen ist mir rein ein Graus,Es kommt doch nichts dabei heraus.Conservativ und liberal ―Na, unterscheide sie einmal!Und Fortschritt oder liberalDas ist nun vollends ganz egal.

Da zerrt man sich nun her und hin,Und wer hat schließlich den Gewinn?Die Einen thuen stolz und schrei’n:„Wir wählen Herrn v. Wittgenstein!“In Plagwitz und in LindenauMacht man für Jerrmann viel Radau,Für ihn schreibt Bruno einen Brief,Man wählt und ― Beiden geht es schief!

Und wer ist schließlich schöne ’raus?Laut spricht den Namen man nicht aus,Es flüstert in vertrauter Rund’In’s Ohr dem Nachbar ihn der Mund,Man sieht bedeutungsvoll sich anUnd macht drei Kreuze ängstlich dann.W. L. ― der Rothen Chef, gewählt!Und darum hat man sich gequält?

Auch Zwickau˶Land, du liebe Zeit,Stimmt dunkelroth, wie nicht gescheidt!Auch dort das Resultat der WahlStaatsuntergrabend˶sozial!Geht das so fort, so wird zuletztDas Haus Wettin noch abgesetzt.Ich denke mir, das Beste wär’,Wir wählten künftig ― gar nicht mehr!R.L.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Lämplein, Leipzig: Genossenschafts-Buchdruckerei (Deutschland), Leipzig, 1879
Digitalisat
de.wikisource.org — „Seufzer eines Wählers“, Fassung 4.513.752 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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