Sommerschwüle
Rudolf Lavant · 1844–1915
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1965
Es bauen rings sich Tag für TagDie Wetter auf mit fernem Grollen,Doch nie und nie ein fester SchlagUnd nie ein Donnern aus dem Vollen!Ein Wetterleuchten fort und fort,Am Wolkensaum ein rosig Glühen,Ein Zucken hier, ein Zucken dort,Doch nie ein herzhaft Blitzesprühen!
Ein feines Tröpfeln löscht den Staub’Und spottend ziehn die Wolken weiter.Wir sind aufs neu der Dürre Raub’Und rings ist alles blau und heiter.Dem Anfang folgt sogleich der Schluß’Und unsern Fluren fehlt der Segen;Es kommt zu keinem derben Guß,Zu keinem strömend-schweren Regen.
So recht ein Abbild unsrer Zeit,Die nichts in Trümmer schlägt und Splitter!Gewitterschwüle weit und breit,Doch nie ein ehrliches Gewitter!Wer solche Zeit ertragen kannUnd sich nicht sehnt nach Wetterschlachten,Der ist ein halber, lauer Mann,Den muß ein ganzer Mann verachten.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sommerschwüle“, Fassung 4.638.701 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.