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Versbuch

Heimkehr

Rudolf Lavant · 18441915

26 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907

(Zu nebenstehendem Bild.)

Wie heimatlicher Glocken HallenHat es bei Becherklang und ScherzMich draussen plötzlich überfallen,Und seltsam weh ward mir ums Herz,Als ob mich eine Stimme riefeIns buchengrüne Heimatland,In dieses Dörfchen in der Tiefe,Wo meiner Kindheit Wiege stand.

Nun liegt das Dörfchen mir zu FüssenSo friedlich da im Abendschein,Wie aber wird es mich begrüssen?Werd’ ich ihm nicht ein Fremdling sein?Es trieb mich um in Süd und Norden,Von fremder Sprachen Laut umtönt ―Ist mir die Heimat fremd geworden?Hat sich die Heimat mein entwöhnt?

Mich zog ein mächtiges Verlangen,Vor alle Schwellen wollt’ ich gehn;Woher nun plötzlich dieses Bangen,Dies Zagen vor dem Wiedersehn?Ich konnte nie und nie erwarmenAn fremder, stolzer Ströme Lauf ―Nun, Heimat, nimm mit offnen ArmenDen Heimgekehrten herzlich auf!

R.L.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der Wahre Jacob, J. H. W. Dietz, Stuttgart, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Heimkehr (Lavant)“, Fassung 3.512.943 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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