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Versbuch

Dem Andenken Julius Mottelers

Rudolf Lavant · 18441915

41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 05. Oktober 1907

Von allen Bäumen sank das welke LaubUnd immer dichter sank’s bergab und schneller.Da wurde wehrlos auch des Todes RaubDer Besten einer, unser Freund Motteler.Er, den der Zorn der Mächtigen gehetzt,Bis Rast er fand an Englands Kreideborden,Der aber standhaft aushielt bis zuletzt,Nun ist auch er ein stiller Mann geworden.

Mit ihm versinkt ein Nibelungenhort,Denn Kalte selbst vermocht‘ er zu begeistern.Er riß die Massen wie im Sturme fort,Voll ebenbürtig auch den größten Meistern;Und was in ihm geduftet und geblüht,Das Unvergängliche, das ewig Junge,Sein reiches, tiefes, goldiges GemütSchwang sich herauf auf die beredte Zunge.

In banger, düstrer, wetterschwüler Zeit,Hat spielend er die schwerste Last getragen;Durch List und Scharfsinn und VerschlagenheitHat auch die ärgsten Schnüffler er geschlagen.Auf seinem Posten war er Nacht und Tag,Von Wagemut und Pflichtgefühl durchdrungen;Was auch von Wächtern an der Grenze lag —Er hat sie abgeführt, wie dumme Jungen.

Wer, wenn es schief ging, nie den Mut verlor,War wiederum der Schwabensohn, der schlaue,Und über allem spielte sein Humor,Der leichte Schmetterling, der himmelblaue.Wer niemals stand in seiner Laune Bann,Wer nie an ihr beim Mokkatrank sich sonnte,Der wußte nicht, wie herzlich dieser Mann,Wie stillvergnügt er oftmals lächeln konnte.

Wen er zum Freunde prüfend sich erlasDem ward in allen Nöten er zum Segen;Er gab so lang er selbst etwas besaßUnd war um Rat und Hilfe nie verlegen.Was auch um ihn versank, zerstob, zerfiel,Er blieb ein Freund, der nie genug zu preisen;Er spann die Fäden fort noch im Exil,Ein Herz von Wachs, obgleich ein Herz von Eisen.Fritzchen Mrweesesnich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 05. Oktober 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Dem Andenken Julius Mottelers“, Fassung 3.650.604 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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