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Versbuch

De Reichdags-Bimmel

Rudolf Lavant · 18441915

41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 6. Dezember 1902

Von Brehsendenden wärdevoll geschwung,Beherrschdest du de wogende DebaddeUn scharf un mahnend is dei Ruf erklung,Wenn ärgendwer de große Glabbe hadde,Un schdeds hast du Gehorsam dir erzwungBei all den Herren mit und ohne Bladde.Du schwebdest siegreich iewer den Gewimmel,Du alde, gude, dreie Reichsdagsbimmel.

Da wordense uff eemal der zu fein;De dachdest der in deinen schlichden Sinne:„Soll ich der Schanddad, meine Schdimme leihnAus burer blanker Feigheed? — nee, fui Schbinne!Uff so was läßd sich unsereens nich ein —Da machd mer sich doch liewer eefach dinne.Was duh ich noch in so än Gamfgedimmel,Ich ehrliche, honedde Reichsdagsbimmel?"

Der ew'ge Grach war der nich angenehm,Bei geener Sitzung gamste ins Geschicke.De Drias Bühsing-Stolberg-Balestrem,Die grichdeste bei Zeiden gnibbeldicke.Dir baßde nich ihr Brehsidialsystem —Da machdeste, wie de Meeranschen, Schdricke.De wolldest geenen Rost und geenen SchimmelUff deinen Nam, du alde, brave Bimmel!

Als se als reene Biddel sich endbubbd,Is änne Laus der iewern Grind geloofen.De warschd in deinen Innersten verschnubbdUn schbuckdest heemlich Feier wie ä Ofen.Da biste ähmd von deinen Schdiel gehubbd.De sagdest der: „Ich lasse mich nich goofen.Machd, was ihr wolld, ihr ausverschämden Limmel —So was is nischd fer änne richdge Bimmel" —

Se hamm dich schleinigst widder uffgehom,Da awwer sahn de Brieder ehrschd das Schlimme.In dir war alles mit Gewald verschomUn blechern glang und heescher deine Schdimme.Wersch ehrlich meend, gann dich derfor nur lom —De wordest schdumm vor lauder Zorn un Grimme.Frau Wärden, gehmse mer än Dobbelgimmel!Aen letzden Schluck der braven Reichsdagsbimmel!Fritzchen Mrweessesnich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 6. Dezember 1902
Digitalisat
de.wikisource.org — „De Reichdags-Bimmel“, Fassung 3.650.423 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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