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Versbuch

Wendekreislauf

Richard Dehmel · 18631920

30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Nach einer Abschiedsvisite beimalten Herrn Geheimrath.

Nehmen wir Geschehn für Leben,haben wir’s nicht recht verstanden;Menschenleben ist das Lebenso nur, wie wir es empfanden –

ja, so schwärmt’ich seelentrunken.Wie mir alles wohlbehagte,was ich fühlte, was ich sagte,in mein Spiegelbild versunken!

Doch jetzt heißt es: mit den Zielen,mit den Wegen sich beraten.Zwar den Jüngling ehrt sein Fühlen,doch dem Manne ziemen Thaten.

Altgeschehnes, Neuerfahrnes,dunkel drängt es sich zusammen,und wir wissen nicht zu scheidendieses Lodern seltner Flammen;

denn darunter lebt ein Glühenseltenster Begebenheiten,und man fühlt ein still Bemühen,als ob Zeiten sich bereiten.

Nah schon, will der Sonnenwagenwieder einen Kreis vollenden.Wird er durch den Steinbock jagen?wird er sich zum Krebse wenden?

Schaudernd scheint er still zu stehenzwischen gleichen Finsternissen,und nun scheint er sich zu drehen,aber Du – wirst mitgerissen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wendekreislauf“, Fassung 1.479.430 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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