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Versbuch

Venus Socia

Richard Dehmel · 18631920

30 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1893

– Kaffee, Branntwein, Bier –im Spelunkenrevier,und ein Lied scholl rührend durch die Thür;und das sangen und spielten die traurigen Vier,ein Vater mit seinen drei Töchtern.Er stand am Ofen, die Geige am Kinnschief neben ihm hockte die Harfnerin,und die Jüngste knixte, und aus das Lied,die Geige die machte ti-flieti-fliet:„War Eine, die nur Einen lieben kunnt“ ...

Die dritte ging stummmit dem Teller herum,ums polternde Biljard, blaß und krumm;und nun drehte der Alte die Fidel umund klappte darauf mit dem Bogen.Und auf Einmal schwieg der Keller ganz,die Jüngste die hob die Röcke zum Tanz;die Harfe die machte ti-plinki-plunk,und die Jüngste war so kinderjungund sang zum Tanz ein wüstes Hurenlied ...

Sie sang’s mit Glut,das zarte Blut;und der schwarze, zerknitterte Roßhaarhutstand zu der plumpen Harfe gut,mit den weißen papiernen Rosen.Laut schrillten die Saiten tiflieti-plunk,und Alle beklatschten den letzten Sprung,und die Tellermarie stand vor mir; stumpf„Spielt mir noch Einmal“, bat ich dumpf,„War Eine, die nur Einen lieben kunnt“ ...

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Venus Socia“, Fassung 585.104 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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