Rückkehr
Richard Dehmel · 1863–1920
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Ich seh in deine Augen wieder,so friedetief, so tief und bang;da schweigen all die falschen Lieder,die wild in mir mein Unhold sang.
Du darfst den trüben Wahnsinn wissen,der gräßlich lacht in mir und schreit,daß ich vom Mutterleib gerissenzu graunvoll freudelosem Streit,
daß mich Natur mit allen Triebenim Schooß der Wonne schon verdammt,daß Die verflucht sind, die mich lieben,daß Meine Glut nur Unheil flammt.
Du, Du, die Eine, hast ergründetmein innerst Sündenangesicht,hast mich entsühnt, zu Glut entzündetin mir der Reinheit schwaches Licht!
Von Deinen heil’gen Seelenblickenglänzt meiner Sinne dumpfe Flur,mir löst ein menschliches Entzückendie rohen Ketten der Natur!
In Thränen stirbt mein irres Bangen,ob ich berufen sei zum Glück;sieh mein verröchelndes Verlangen,die Klarheit gabst du mir zurück!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rückkehr (Dehmel)“, Fassung 2.308.360 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
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