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Versbuch

Tragische Erscheinung

Richard Dehmel · 18631920

22 Zeilen · zuerst gedruckt 1893

In einer Wüste lagen viele Menschen,die fast verschmachteten; sie wimmerten.Ein schönes Mädchen nur,mit hilflos braunen Augen,litt stumm den Durst; denn gieriger als der Durstbrannte ihr seliges Mitleid ...Da trat, vom glühenden Horizont herwachsend,ein fremder Mann vor dieses Volk;der hob den Zeigefinger ihnen dar.Aus der gereckten, zitternden Spitze quollein großer Tropfen Blut quoll, hing, und fiel,fiel in den Sand;verwundert sah das Volk den fremden Mann.Der stand und stand, Tropfen auf Tropfen fielaus seinem Finger in den Sand;und immer, wenn die rote Quelle troff,erbleichte schauernd Er, sie aber staunten,und Einige ächzten: er verhöhnt uns ...Da schrie er laut mit seiner letzten Glut:So kommt doch, trinkt! für Euch verblut’ich mich!Doch jenes Mädchen sprach, indeß er hinlosch:Sie wollen Wasser ...

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Tragische Erscheinung“, Fassung 446.355 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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