Stimmen des Palatin
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1892
Stachelfeigen und KakteenPrunken jetzt im HeiligthumCäsars, und die Palmen wehenKühlung in’s Triklinium.
Wo die Füße scheuer SklavenLautlos hin- und hergehuscht,Haben Schlingkraut und AgavenNun den Mosaik umbuscht.
Eingesunken seine ThermenUnd der Säle gold’ne Pracht –Trümmer und gestürzte HermenHalten rings die Todtenwacht.
Faul sein Purpur, morsch sein Scepter,Doch sein Athem und sein Geist,Noch in den Ruinen lebt er,Wie ein Aar, der sie umkreist!
Steige noch so keck und munterHier hinauf, Despotenfeind, –Trüb und stumm kehrst du hinunter,Schauerst, wo du leicht verneint!
Ihrer Stimmen mächtig DröhnenSchallt vernehmbar an dein Ohr,Ihre Opfer hörst du stöhnen,Doch auch ihren Siegeschor!
Mit dem Roth der AbendgluthenFlammt dir ihres Purpurs Saum.Vor den Augen – und verblutenSiehst du ihren Weltentraum...
Schreite sacht auf diesen FliesenTadler, ob dein Herz auch grollt,Denn sie waren WillensriesenUnd wir – werden nur gewollt!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 6-7, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Stimmen des Palatin“, Fassung 1.448.835 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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