Kajetán Tyl
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
16 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1955
KAJETAN TÝL
Bei Betrachtung seines Zimmerchens,das auf der böhmischen ethnographischen Ausstellungzusammengestellt war
Da also hat der arme Týlsein Lied »Kde domov můj« geschrieben.In Wahrheit: Wen die Musen lieben,dem gibt das Leben nicht zuviel.
Ein Stübchen – nicht zu klein dem Flugdes Geistes; nicht zu groß zur Ruhe. –Ein Stuhl, als Schreibtisch eine Truhe,ein Bett, ein Holzkreuz und ein Krug.
Doch wär er nicht für tausend Louisvon Böhmen fort. Mit jeder Fiberhing er daran. – »Ich bleibe lieber,«hätt er gesagt, »kde domov můj.«
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 38-39., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kajetan Týl“, Fassung 3.779.556 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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