Ein Liebesbrief
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1932
(Dezember 1930)
Von allen Seiten drängt ein drohend GrauUns zu. Die Luft will uns vergehen.Ich aber kann des Himmels Blau,Kann alles Trübe sonnvergoldet sehen.Weil ich dich liebe, dich, du frohe Frau.
Mag sein, daß alles Böse sichVereinigt hat, uns breitzutreten.Drei Rettungswege gibt's: Zu beten,Zu sterben, und „Ich liebe dich!“
Und alle drei in gleicher WeiseGewähren Ruhe, geben Mut.Es ist wie holdes Sterben, wenn wir leiseBeten: „Ich liebe dich! Sei gut!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre Seite 111, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ein Liebesbrief“, Fassung 3.689.307 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.