Die Insel der Sirenen
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1918
Wenn er denen, die ihm gastlich waren,spät, nach ihrem Tage noch, da siefragten nach den Fahrten und Gefahren,still berichtete: er wußte nie,
wie sie schrecken und mit welchem jähenWort sie wenden, daß sie so wie erin dem blau gestillten Inselmeerdie Vergoldung jener Inseln sähen,
deren Anblick macht, daß die Gefahrumschlägt; denn nun ist sie nicht im Tosenund im Wüten, wo sie immer war.Lautlos kommt sie über die Matrosen,
welche wissen, daß es dort auf jenengoldnen Inseln manchmal singt —,und sich blindlings in die Ruder lehnen,wie umringt
von der Stille, die die ganze Weitein sich hat und an die Ohren weht,so als wäre ihre andre Seiteder Gesang, dem keiner widersteht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 6, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Insel der Sirenen“, Fassung 3.513.672 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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