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Versbuch

Wanderung

Paul Haller · 18821920

23 Zeilen · zuerst gedruckt 1922

Laß mich mit dir wandern –Fern tun sich neue Berge auf,Weit gähnt der Weg und windet sichDurch Steingefild und Felsenschlucht.Doch Hand in Hand, gebückt und froh,Erobern wir die erste Fluh.Schau’n nie zurück und halten fest,Gestützt auf mich, gestützt auf dich,Bald du voran, bald ich voraus, –Das Hinten ist ein totes Land.Und Rechts und Links gehört uns nicht.Gib einen Blick aus klarem Aug,Vernimm ein Wort aus treuem Sinn:Sei niemals hier, sei immer dort,Und glaube, was ich morgen bin.Tut wo ein stiller Grund sich auf,So küß mich, ohne still zu stehn,Denn Grund an Grund und Berg an BergUnd Welt an Welten sind vor uns.Es weht ein Geist, der rastet nie,Schwingt jauchzend sich von Stern zu SternUnd feiert selbst im Himmel nicht.Denn Leben heißt: Unendlichkeit!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 87, H. R. Sauerländer & Co., Aarau, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wanderung“, Fassung 876.828 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Paul Haller starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119041952 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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