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Versbuch

Heiterer Frühling

Georg Trakl · 18871914

36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1913

1.Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.

An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,Ein Kind steht in Konturen weich und lind.

Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.Hell Grünes blüht und anderes verwestUnd Kröten schliefen durch den jungen Lauch.

2.Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.

In Gärten sinken Glocken lang und leisEin kleiner Vogel trällert wie verrückt.Das sanfte Korn schwillt leise und verzücktUnd Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.

Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.Der Wald strömt durch den Abend herb und fahlUnd Knospen knistern heiter dann und wann.

3.Wie scheint doch alles Werdende so krank!Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter GeistUnd öffnet das Gemüte weit und bang.

Ein blühender Erguß verrinnt sehr sachtUnd Ungebornes pflegt der eignen Ruh.Die Liebenden blühn ihren Sternen zuUnd süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.

So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;Und leise rührt dich an ein alter Stein:Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.O Mund! der durch die Silberweide bebt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 41–42, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Heiterer Frühling“, Fassung 2.555.716 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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