Zeus von Otricoli
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1892
Leicht neigst du das Haupt und auf ernster StirneThront gebietend dir der Vollendung Höchstes:Edle Menschenanmuth mit GötterwürdeMachtvoll sich einend!
Seiendes verschmilzt so in deinem WesenMit dem Götterdrang, der von Ewigkeit herMystisch sich dem Werdenden paart, das immerRein’rer Vollendung,
Immer höh’rer Form und Gestaltung zustrebt,Und das Ur-Geheimnis des eig’nen WesensÜber sich als schaffende Gottheit in dieHimmel emporhob!
Und solch’ Traumbild hätt’ nun die Welt für immerSchnöd’ vergessen, wie ach! im Buch der ZeitenIhrer Größten Namen sich bleich verwischen,Spurlos verschwinden?!
Aber sieh! da gleitet ein Strahl der SonneGoldig-hell dir über das Haupt und zeigt mirDeines Mundes Lächeln, das heit’re, milde,Göttlich erhab’ne –
Und ich fühl’, daß heut’ noch in allem WerdenHehr und sonnengoldig dies Lächeln aufglänzt!Nickst du Antwort mir? Die ambrosischen LockenWallen dir vorwärts!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 45, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zeus von Otricoli“, Fassung 3.120.147 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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